Für jemanden der zum ersten mal mit Musikproduktion in Berührung kommt, können Begriffe wie Mischen (Mixing), Mastering, Aufnahme, Editing oder Vorproduktion (Pre-Production) schnell zu Verwirrung führen. Darum versuche ich hier die grundlegende Bedeutung dieser Hauptdisziplinen der Musikproduktion zu erklären, wann im Produktionsprozess sie einzuordnen sind und was dabei üblicherweise passiert.

Bevor wir uns genauer damit befassen, möchte ich noch das Wichtigste auf dem Weg zu einer herausragenden Produktion erwähnen, das heutzutage, meiner Meinung nach, leider viel zu schnell in den Hintergrund gerückt wird: DIE MUSIK! Es klingt wahrlich offensichtlich, aber in Zeiten in denen immer mehr generische, profitorientierte Musik veröffentlicht wird, kann nicht oft genug erwähnt werden, dass Musiker erstmals ordentlich in Handwerk und Kreativität investiert sollten, um ein solides Fundament für die angestrebte erfolgreiche Musikkarriere zu legen. Um Produzenten nicht in den Wahnsinn zu treiben, sollten die eigenen Songs also schon mal einiges an Qualität mitbringen. Falls das nicht gegeben ist, kann der beste Aufnahme-, Mixing- oder Masteringtechniker keine Hits daraus zaubern und auch Marketingspezialisten stünden auf verlorenem Posten.

Darum liebe Musikerkollegen: Immer konsequent an Songwriting- und Instrumentalfähigkeiten arbeiten (viele Songs schreiben und spielen – logisch irgendwie), Feedback von Freunden, Bekannten und Leuten, für die eure Musik neu ist, holen, euch und euren Fähigkeiten gegenüber kritisch sein! Ihr werdet im Endeffekt viel Zeit, Geld und Nerven sparen.

1. Vorproduktion (Pre-Production)


Nachdem im Proberaum ein toller Song geschrieben wurde, soll dieser natürlich der breiten Masse präsentiert werden. Zu diesem Zweck wird ein Tonstudio gebucht, um der Produktion einen Sound, der mit “den Großen” mithalten kann, zu verpassen. Hier kommt die Vorproduktion oder Pre-Production ins Spiel. Die meisten Produzenten, oder zumindest ich, wollen eine grundlegende Idee davon haben, wie ein Song aufgebaut ist, welche Instrumente vorkommen, wie viele Stimmen enthalten sind und, überhaupt, ob es ein Metal-, Pop- oder EDM-Track ist. Es kann viel Zeit und Geld sparen, wenn diese Details nicht erst ausdiskutiert werden müssen, wenn die Studio-Uhr schon tickt.

Aber was ist jetzt die Vorproduktion oder Pre-Production? Es ist eine einfache und schnelle Aufnahme eines Songs, die entweder selbstständig oder mit Hilfe des Produzenten im Proberaum oder Homestudio erstellt wird. Wie der Name schon vermuten lässt, passiert das ganze “vor” der eigentlichen Produktion. Sie ist in weiterer Folge als Vorlage für die eigentlichen Aufnahmen im Studio gedacht und soll einen grundlegenden Eindruck vom Vibe des Songs und den zu transportierenden Emotionen vermitteln. Eine Pre-Production ist heutzutage leicht mit einem Laptop, einem Audio-Interface, einem preiswerten Mikrofon und eventuell ein paar VST-Instrumenten zu bewerkstelligen.

Aus Sicht des Produzenten ist es auch beruhigend zu wissen, dass sich der/die Musiker schon tiefgehender mit ihrer Musik und der Instrumentierung beschäftigt haben und sich Gedanken darüber gemacht haben, wie das fertige Produkt ungefähr klingen soll.

2. Aufnahme


Nachdem eine sorgfältige Vorproduktion gemacht wurde, ist es nun an der Zeit mit den Studioaufnahmen zu beginnen. Der Aufnahmeprozess ist logischerweise der erste Schritt um die Musik auf CD/Spotify/iTunes zu bringen. Dabei geht es primär darum den grundlegenden Sound der Aufnahme zu definieren und das Gefühl der Musik bestmöglich einzufangen. Als Instrumentalist ist es wichtig, gut vorbereitet zu den Aufnahmesessions zu kommen. Bringe neue Gitarren- oder Basssaiten mit, packe deine Lieblingseffektgeräte, Drum-Sticks, Kick-Pedale, Synthesizer und alle anderen Tools, die dir helfen, dich beim Spielen wohl zu fühlen, ein. Versichere dich, alle Song-Teile, die du aufnehmen musst, geübt zu haben, um eine mittelmäßige Performance und Frustration zu vermeiden.

In jedem Studio sollte zumindest ein erfahrener Tontechniker sein, der die notwendigen Fähigkeiten mitbringt eine Produktion zu stemmen, damit du dich als Musiker vollständig aufs Spielen konzentrieren kannst. Falls das nicht gegeben ist, war das Studio möglicherweise die falsche Wahl und deiner Musik zuliebe ist es dann wohl besser ein anderes zu buchen.

3. Editieren und Mischen


Editieren und Mischen sind eigentlich zwei separate Arbeitsschritte in der Musikproduktion. Da sich heutzutage aber nur wenige Tontechniker einen Assistenten leisten können, sind Sie meist für beide Aufgaben selbst zuständig.

Beim Editieren wird die Aufnahmesession auf das Mischen vorbereitet. Das beinhaltet Arbeiten wie das Herausschneiden von unnötigen Geräuschen in den Einzelspuren, das Schneiden und Quantisieren von Drums auf das Tempo-Raster (wenn vom Künstler gewünscht), das Einfügen von Crossfades, das Korrigieren von Vocal-Aufnahmen (natürlich auch nur wenn vom Künstler gewünscht), das Überprüfen der Phasenlage zwischen den Einzelspuren und noch vieles mehr. Aus meiner Sicht ist es eine eher monotone und sich wiederholende Arbeit, die aber das eigentliche “kreative Mischen” ungemein erleichtert. Versucht aber immer mit Maß und Ziel zu editieren, da man dabei leider viel zu schnell die Lebendigkeit aus einer Aufnahme schneidet.

Mischen ist dann der Prozess, in dem alle aufgenommenen Stimmen und Instrumente in ein Stereo oder 5.1 Canvas eingepasst werden. Mit Techniken wie Filtering (EQ)KompressionVerhallungEcho und dem Anpassen der Lautstärke und des Panoramas kann dieser imaginäre Raum kreativ genutzt und eine Mischung nach dem eigenen Geschmack erstellt werden. Mit einiger Erfahrung kann dabei eine gute Aufnahme in eine herausragende transformiert oder eventuell auch der grundsätzliche Vibe von z.B. trockenem 70er Funk hin zu “in Hall schwimmendem” 80er Sound verändert werden. Es ist ein sehr kreativer Prozess bei dem nur die eigene Vorstellungskraft Grenzen setzt.

4. Mastering


Mastering ist schließlich der finale Produktionsprozess der in zwei Schritte unterteilt werden kann. Erstens, die Finalisierung des Audiomaterials und zweitens, das Erstellen des DDP oder CD Masters und, in weiterer Folge, das Bereitstellen der Daten in den vom Kunden gewünschten Audioformaten (wav, mp3,…). Das Hauptaugenmerk bei der Finalisierung liegt darauf kleine Fehler auszubessern und die aufgenommenen Songs zu einem hörbaren Album zusammenzufassen. In diesem Schritt wird meist mit EQKompressionLimiting und eventuell etwas Reverb der Sound zwischen den verschiedenen Songs angeglichen und auf eine konkurrenzfähige Lautstärke gebracht. Man kann es auch mit dem Korrekturlesen eines Buches vergleichen: Der Inhalt wird nicht mehr verändert aber kleine Flüchtigkeitsfehler, die nach stundenlangem Mischen überhört worden sind, werden korrigiert.

Wenn du mehr Fragen zum Thema Recording hast, kannst du gerne in meinen Homerecording Beiträgen nach Antworten stöbern oder mein gratis E-Book „5 Tipps für einen erfolgreichen Start ins Homerecording“ herunterladen.

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