Wenn es um Musikproduktion geht werden Aufnahmetechniken, Equipment und das Handwerk des Tontechnikers oft als die alles entscheidenden Puzzlestücke dargestellt. Dabei sind andere grundlegende Faktoren meist um vieles wichtiger, ohne die das vorhin Genannte auch seine Daseinsberechtigung verlieren würden. Dazu zählen das Instrument, der Musiker und dessen Performance bei der Aufnahme.

Fast jeder Studio-Tontechniker hat schon zumindest eine der folgende Situationen erlebt:

  • Der Musiker kommt mit einem miserablen Instrument, liefert eine überwältigende Performance ab, die aber leider unterdurchschnittlich klingt.
  • Er kommt mit einem sündteuren Instrument, aber es will einfach keine brauchbare Aufnahme herauskommen.
  • Er hat ein Instrument aus dem mittleren Preissegment und legt darauf eine mittelmäßige Performance hin.

Diese Liste könnte man in verschiedenen Kombinationen weiterführen. In den oben genannten Fällen kann aber meist schnell ein Schuldiger ausgemacht werden: Entweder das Instrument, der Spieler oder dessen Performance waren unterdurchschnittlich, wobei Spieler und Performance eigentlich in einer Person vereint sind.

Nimmt man nun eine Abstufung dieser drei Kriterien nach ihrer Wichtigkeit vor, dann steht der Spieler als wichtigstes Element ganz oben, gefolgt von der Performance und dem Instrument. Der Idealfall ist natürlich, dass alle drei Kriterien zur vollen Zufriedenheit erfüllt sind. Da das aber oft nicht der Fall ist und sich diese Punkte gegenseitig beeinflussen, kann der Austausch oder die Anpassung eines dieser Elemente eine verloren geglaubte Aufnahmesituation eventuell noch retten.

1. Instrument


Wenn Schuhe passen, trägt man sie gerne. Beim Instrument ist es ähnlich. Es gibt gewisse Eigenschaften, die den Wohlfühlfaktor beim Spielen positiv beeinflussen und die sind in Aufnahmesituationen enorm wertvoll. Dazu zählen z.B. das Spielgefühl, der Klang, die Stimmstabilität oder auch Accessoires, die zum Spielen des Instrumentes benötigt werden (Plektren, Sticks, …). Es ist aber auf keinen Fall gesagt, dass nur teure Instrumente diese Voraussetzungen erfüllen. Es gibt schon viele gute Instrumente zu fairen Preisen, die für Studio-Situationen bestens geeignet sind.

Sollte ein Spieler beim Aufnehmen mit seinem Instrument aber nicht klarkommen, sollte man ihn nicht gleich vor die Tür zu setzten. Eine einfache Möglichkeit die Situation zu verbessern, ist das Instrument auszutauschen. Dabei ist zu beachten, dass gerade unerfahrenere Musiker auf ihrem eigenen Instrument meist gut eingespielt sind und bei einem Wechsel häufig mehr Probleme bekommen als damit behoben werden.

Beim Homerecording warten wiederum andere Hindernisse. So ist die Auswahl an Instrumenten oft begrenzt. In diesem Fall kann man versuchen sich von Musikern im Bekanntenkreis oder eventuell auch vom Musikverleih ein besseres Instrument auszuborgen. Falls das keine Option ist, kann man mit dem vorhandenen Instrument auch noch einen Ortswechsel probieren oder mit kreativen Ideen versuchen, etwas andere Sounds herauszukitzeln.

2. Performance


Es gibt Musiker die können, egal ob Tag oder Nacht, immer ihr volles Potential abrufen. Die sind aber eher die Ausnahme als die Regel. Bei den meisten von uns spielt die Tagesverfassung eine große Rolle. Eine schlechte Tagesverfassung macht sich aber meist erst dann negativ bemerkbar, wenn wir schon im Studio sitzen und aufnehmen möchten. Ein weiteres Hindernis ist, dass wir diese Verfassung meist nicht so ohne weiteres beeinflussen können, ohne eine Nacht drüber zu schlafen oder uns einige Stunden Pause zu gönnen. Diese Hürden kann man aber oft mit einigen kleinen Tricks umgehen.

Wenn man sich z.B. zuhause selbst aufnimmt, ist es häufig schwierig sich zu motivieren und das Beste aus einem rauszuholen – man kennt das vom Sport. Das hängt zum einen mit der gewohnten Umgebung zusammen, die einen gerne ablenkt, und zum anderen damit, dass meist kein finanzieller oder zeitlicher Druck auf einem lastet. Das ist ja prinzipiell nichts Schlechtes, hindert einen aber oft daran Sachen auf einem hohen Qualitätsniveau zu Ende zu bringen.

2.1 Motivationsschub beim Homerecording


Falls du also einen Motivationsschub brauchst, sieh dir Videos von deinen Lieblingskünstlern an und versuche den Vibe und deren Mindset von Live-Aufführungen oder aus dem Studio auf dich zu übertragen. Eine andere Möglichkeit ist, dir deine eigenen Ziele wieder vor Augen zu führen. Dabei können z.B. Todo-Listen helfen. Teile deine Aufgaben in kleine, leicht zu erledigende Tasks ein und arbeite sie der Reihe nach oder wild durcheinander ab. Das Ziel ist, einige dieser Tasks abhaken zu können. Das wird dein Gefühl beflügeln etwas erreicht zu haben und kann ungemein motivierend sein. Pausen, oder das Geplante an einem anderen Tag zu erledigen, sind natürlich auch legitime Mittel.

2.2 Performance optimieren im Studio


Wenn du aber als Tontechniker andere Musiker aufnimmst, kannst du deren Performance nur zu einem gewissen Grad beeinflussen. Motivierender Zuspruch oder die Musiker zu Pausen zu animieren sind zwei erprobte Methoden, die häufig fruchten. Wenn beides nichts hilft, kannst du die Musiker auch, wie vorhin erwähnt, mit Videos kurz auf andere Gedanken bringen. Das wirkt oft Wunder und ist spaßiger als eine einfache Pause in der man nur herum sitzt.

Solltest du aber merken, dass ein Musiker körperlich schon müde wird und seine Konzentration nachlässt, ist es meist besser ihn zu überreden das Geplante am nächsten Tag zu erledigen. Das kann oft eine kommunikationstechnische Gratwanderung sein, führt aber fast immer zu besseren Ergebnissen. In so einem Zustand aufgenommene Spuren landen nämlich am nächsten Tag meist sowieso im Müll.

3. Musiker


Falls ein Musiker offensichtlich mit seiner Aufgabe überfordert ist, kann die Situation schon schwieriger werden. Niemand gesteht sich gerne ein, etwas nicht gut genug zu beherrschen, in das er oder sie seines/ihres Erachtens nach mehr als genug Blut, Schweiß und Tränen investiert hat. Es gehört hier aber erwähnt, dass manche Musiker mit dem was sie geplant haben überfordert sind. Viele sind auch einfach nicht bereit, mehr Zeit in ihre Fähigkeiten zu investieren (also zu üben) um die Situation zu ändern. Entweder weil sie nicht mehr Zeit haben (Job, Familie) oder, blicken wir der Wahrheit ins Auge, weil sie sich einfach selbst überschätzen.

Für solche Situationen benötigt es Erfahrung im Umgang mit Menschen und ein gewisses Fingerspitzengefühl. Die einfachste Lösung wäre z.B. einen Bandkollegen die Spuren einspielen zu lassen. Das funktioniert z.B. gut in einfachen Rock-Besetzungen mit Gitarren, Bass, usw. Diese Vorgehensweise wird auch seit den Beatles oder länger zurück praktiziert und ist Im Big-Business heute gang und gäbe.

Bei Bigbands oder Gruppen mit vielen unterschiedlichen Instrumenten ist das schon etwas herausfordernder. In solchen Fällen ist man meist auf externe Musiker angewiesen, oder man versucht mit Editieren noch das Beste aus der Situation zu machen. Wenn jemand partout nicht auf seine Beteiligung verzichten möchte, ist die logische und einfachste Lösung den Aufnahmetermin zu verschieben. Das erspart Frust und Bandauflösungen im Studio.

Falls du als Tontechniker/Produzent auf mehreren Instrumenten geschult bist, kannst du natürlich auch deine Hilfe anbieten. Ein NOGO ist aber, dass du Aufnahmen von Musikern ersetzt ohne deren Einverständnis eingeholt zu haben.

Fazit


Das Instrument, der Musiker und dessen Performance sind unweigerlich drei Standbeine mit denen die Qualität einer Aufnahme steht und fällt. Diese drei Elemente sind auch die ersten Stellschrauben an denen du drehen solltest, falls eine aufgenommene Spur nicht deinen Vorstellungen entspricht. Performance und Musiker erfordern zwar mehr Arbeit als ein einfacher Instrumententausch, machen sich aber im Endeffekt eher bezahlt.

Wenn du mehr Fragen zum Thema Recording hast, kannst du gerne in meinen Homerecording Beiträgen nach Antworten stöbern oder mein gratis E-Book „5 Tipps für einen erfolgreichen Start ins Homerecording“ herunterladen.

Beitragsbild: Pixabay