Nachdem alle Instrumente deines Songs in bestmöglicher Qualität und mit der bestmöglichen Performance aufgenommen wurden, stehen meist noch allfällige Editierarbeiten an. Was aber wird beim Editieren einer Tonaufnahme gemacht und ist das auch wirklich nötig?

Beim Editieren wird die Aufnahmesession deines Songs auf das Mischen vorbereitet. Das beinhaltet Arbeiten wie das Herausschneiden von unnötigen Geräuschen, wie z.B. unerwünschter Atmer oder Griffgeräusche in den Einzelspuren, das Schneiden und Quantisieren von Drums auf das Tempo-Raster, das Einfügen von Crossfades zwischen einzelnen Takes, das Korrigieren von Vocal-Aufnahmen, das Überprüfen der Phasenlage zwischen den Einzelspuren und noch vieles mehr. Jetzt stellt sich natürlich die berechtigte Frage, ob das alles nötig ist und wie so oft gibt es keine ultimative Antwort.

Tatsächlich hängt es von vielen Faktoren ab, wieviel Editing ein Song benötigt. Einer der wichtigsten ist die Performance. Wenn du bei deiner Aufnahmesession mit Ach und Krach ein akzeptables Ergebnis erreichst, wird dein Tontechniker wahrscheinlich versuchen, mit Editing noch das Beste aus dem vorhandenen Material herauszuholen. Ich kann hier nur noch einmal betonen, wie wichtig eine herausragende Performance für ein herausragendes Ergebnis ist.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist der Musikstil und die damit einhergehende Hörerwartung deiner Fans. Ein technical Death-Metal Projekt wird z.B. eher nach einem editierten Drumsound verlangen, als eine Blues-Rock Band. Genauso ist Autotune in einem modernen Billboard-Chart-Popsong eher ein probates Mittel, als in einer Jazz-Performance. Es hängt also auch viel vom Wissen um die Zielgruppe ab, ob und wie viel editiert wird.

Noch wichtiger als die vorangegangenen Faktoren ist, ob du als Künstler willst, dass deiner Performance im Nachhinein nachgeholfen wird oder, ob nur das Nötigste getan werden soll. Jeder professionelle Tontechniker wird deine Entscheidung respektieren, solltest du dich gegen Editing entscheiden. Er wird dir aber auch die Kehrseiten deiner Entscheidung, wie etwa mangelnde Konkurrenzfähigkeit in deinem Genre oder verschenktes Potential erläutern, sofern es welche gibt.

Editing ist kein Allheilmittel, funktioniert nicht bei jeder Musik, kann manche Songs eher verunstalten als verbessern und ist in keinem Fall eine Ausrede, um als Künstler eine mittelmäßige Performance abzuliefern!

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Beitragsbild: Chris Hörmann