Bausteine der Musik – Die Grundlage unseres Musiksystems

Musik als Sprache ist ein komplexes Themengebiet. Wie die meisten Sprachen kann dieses Themengebiet auf einige Grundbausteine heruntergebrochen werden. Diese Bausteine der Musik sind so etwas wie die grundlegende Grammatik dieser Sprache. Sie sind essentiell um den vollen Umfang von Musik begreifen und mit den Worten dieser Sprache richtig kommunizieren zu können.

Die Grundbausteine ähneln den SI-Einheiten in der Physik. Sie sind klar definiert und eine weitere Vereinfachung ist nicht mehr möglich oder nicht zielführend. Aufgrund dieser klaren Definition lassen sich komplexe musikalische Konstrukte und Zusammenhänge auf ihnen aufbauen. Im Umkehrschluss können aber auch bestehende komplexe musikalische Systeme auf diese Bausteine heruntergebrochen werden.

1 . Die Bausteine der Musik


Musik besteht eigentlich nur aus drei solchen Bausteinen. Dazu zählen die Rhythmik, die Melodik und die Harmonik. Um mit diesen Bausteinen aber überhaupt etwas bauen zu können, benötigt man ein stabiles Fundament. In der Musik ist dieses Fundament die Dynamik.

1.1 Dynamik


Der Dynamik wird in manchen Musikrichtungen ein höherer Stellenwert beigemessen als in anderen, es gibt aber, physikalisch bedingt, nichts in der Musik bei dem Dynamik keine Rolle spielt. Vereinfacht gesagt ist Dynamik nur der Unterschied zwischen laut und leise. Auf Schall umgelegt ist das ein unterschiedlich starkes Schwingen von Luftteilchen bei leisen und lauten Schallereignissen. Das Menschliche Gehör ist, neben der Wahrnehmung von Frequenzen, darauf ausgelegt diese unterschiedlich starken Luftschwingungen zu interpretieren.

Als Musiker hat man nun die Möglichkeit mit dem Einsatz von Dynamik seinen „sprachlichen Ausdruck“ zu verfeinern. Man hat also für gewisse Wörter so etwas wie Synonyme an der Hand, mit denen man die Information einer musikalischen Phrase verstärken oder eindringlicher gestalten kann. Am mitgeteilten Inhalt ändert sich dabei aber nichts. Dynamik alleine reicht aber nicht aus um „musikalische Information“ zu übermitteln. Dafür benötigt es einen oder mehrere der drei eigentlichen Bausteine.

1.2 Rhythmik


Der erste dieser Bausteine der Musik ist der Rhythmus. Er ist über unseren (rhythmischen) Herzschlag untrennbar mit unserem Körper verbunden und definiert dadurch in gewissem Maße „wie wir ticken“. Das ist wahrscheinlich auch ein Grund warum jeder Mensch Musik unterschiedlich wahrnimmt. Eine genauere Definition von Rhythmus kannst du in einem separaten Beitrag nachlesen.

Wenn man nun wieder den Vergleich mit der Sprache bemüht, wird man feststellen, dass Sprache ohne Rhythmus kaum realisierbar wäre. Die zeitliche Komponente ist bei allem was wir machen immanent. Sie ist also auch ein Grundbaustein unserer Wahrnehmung und unseres Bewusstseins. Der Mensch tickt also nicht nur sondern lebt in einem eigenen Rhythmus. Dieser gelebte Rhythmus ist aber so vielschichtig, dass wir ihn kaum bewusst wahrnehmen können.

Musikalischer Rhythmus kann als Taktangabe und Tempo in einer definierten Form vorliegen oder er kann als frei empfunden werden, ist also nicht an einen konstanten Puls gekoppelt. Freier Rhythmus und Tempo wird in der Musik als ad. Lib. oder ad. Libitum bezeichnet. Über die unterschiedliche Betonung von Zählzeiten ist Rhythmus auch untrennbar an die Dynamik gekoppelt.

1.3 Melodik


Wenn man über einfache Musik wie z.B. Kinderlieder nachdenkt, wird einem zwangsläufig der nächste Baustein der Musik ins Ohr springen: Die Melodik. Eine Melodie ist ein aufeinanderfolgendes erklingen von Einzeltönen. Diese Töne bauen wiederum auf dem vorherigen Baustein, dem Rhythmus, auf. Ohne diesen wäre eine Melodie konzeptionsbedingt nicht möglich.

Im westlichen Tonsystem stehen zwölf Töne in unterschiedlichen Oktaven zur Verfügung um Melodien zu komponieren. Das klingt erstmal nicht nach viel. Durch die dahinterliegenden Zusammenhänge und durch unsere frequenzselektive Wahrnehmung eröffnet sich aber trotzdem eine ungemein große Spielwiese. Weiters kann einer Melodie mit dem Einsatz von Dynamik wieder eine gewisse Tiefe und Informationsvielfalt verliehen werden.

Die vorhin erwähnten tieferen Zusammenhänge sind dabei aber antrainiert und durch die jeweilige Kultur geprägt. Ein Mensch aus dem arabischen Raum, der mit Vierteltonmusik aufgewachsen ist, wird z.B. die Zusammenhänge unseres Tonsystems nicht so intuitiv erfahren wie ein Mitteleuropäer. Das gilt natürlich auch umgekehrt.

1.4 Harmonik


Aus dem Zusammenklang mehrerer Melodien ist im Laufe der Jahrhunderte der nächste Baustein der Musik entstanden: die Harmonik. Ein harmonisches Konstrukt entsteht also, wenn mehrerer Töne zum gleichen Zeitpunkt zusammen erklingen. In der Musiksprache ist so ein Zusammenklang u.a. als Akkord bekannt, kann aber auch, wie vorhin erwähnt, entstehen, wenn die Töne mehrerer Melodien zu einem bestimmten Zeitpunkt zusammen erklingen – so wurde z.B. Harmonik in Zeiten des (mehrstimmigen) Kontrapunkts erreicht. Diese Kompositionstechnik wird z.B. beim Komponieren von Fugen angewendet.

Harmonik ist jener Baustein, der auch ohne tatsächlichen Rhythmus musikalische Information transportieren kann. Man stelle sich dabei einfach einen Akkord vor, der einmal angeschlagen wird und über einen längeren Zeitraum erklingt. So ein Akkord würde nur einen Start- und einen Endpunkt besitzen aber ansonsten keine rhythmische Information beinhalten. Trotzdem kann das Gehör den Akkord klar als Mehrklang erkennen und die darin enthaltene musikalische Information verarbeiten.

Fazit


Die vier „Bausteine der Musik“ sind die Basis moderner Musik. Sie zu verstehen kann den Horizont auf dem eigenen Instrument und das Verständnis von Musik im Allgemeinen ungemein erweitern. Ein grundlegendes Wissen darüber ist meines Erachtens essentiell für jeden Musiker. Die Kombination dieser Bausteine unterliegt aber wiederum den individuellen Vorlieben des anwendenden Musikers und folgt, und das ist das schöne an der Musik, keinen Doktrinen. Zu den individuellen Vorlieben zählt auch die Phrasierung, die sich ja von Instrument zu Instrument unterscheidet und für mich dadurch kein Grundbaustein ist.

Wenn du mehr über Musiktheorie erfahren möchtest, kannst du gerne in meinen anderen Beiträgen stöbern.

Buch Tipp:

Die neue Harmonielehre

Frank Haunschield – Die neue Harmonielehre

Frank Haunschield’s Die neue Harmonielehre gibt jedem Interessierten einen gut aufbereiteten Leitfaden zum Thema Musiktheorie an die Hand. Das Buch deckt die nötigen Grundlagen (Tonleitern, Dreiklänge, Vierklänge, …) ab, überfordert den Leser aber nie. Ich verwende dieses Buch gerne im Unterricht und habe bei meinem Einstieg in die Materie selbst häufig darin nachgelesen.

Beitragsbild: Pixabay

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