Richtiges und effizientes üben von Akkorden auf der Gitarre

Akkorde sind die Grundlage des Gitarrenspiels. Jeder Gitarrist sollte sie beherrschen, um das Instrument im Laufe seiner Karriere ausreizen zu können. Gerade für Anfänger kann das Lernen von Akkorden aber eine große Herausforderung sein. Um nicht wertvolle Übungszeit zu verschwenden, solltest du im Vorfeld einige Dinge über richtiges und effizientes üben von Akkorden wissen.

Beim Lernen von Akkorden (sowie von Melodien und Rhythmen) spielen zwei Prinzipien eine große Rolle: Zum einen, das kognitive Begreifen und Speichern des Gelernten und zum anderen, die Schulung der motorischen Fähigkeiten, also die Bewegung der Finger. Das Klingt auf den ersten Blick vielleicht kompliziert, kann aber mit zwei simplen Übungen einfach umgesetzt werden.

1 . Kognitives Üben von Akkorden


Beim kognitiven Üben geht es im Grunde nur darum dir Akkorde zu merken. Das Ziel ist es, dir die Akkordnamen und die Position der Finger auch ohne Gitarre ins Gedächtnis rufen zu können. Die dazugehörige Übung ist leicht zu erlernen.

1.1 Akkord richtig greifen


Der erste Schritt ist den gewünschten Akkord richtig zu greifen. Du versuchst also den Akkord so gut es deine Fähigkeiten zulassen auf der Gitarre zu greifen. Dabei geht es noch nicht darum, dass der Akkord perfekt klingt. Es sollen nur die richtigen Finger auf den richtigen Bünden liegen und der Akkordklang schon erkennbar sein.

1.2 Akkordnamen und Position der Finger benennen


Im nächsten Schritt prägst du dir den Akkordnamen und die Position der Finger ein. Dabei siehst du dir den gegriffenen Akkord aber nicht nur an, sondern sagst dir den Akkordnamen und die Position der Finger auf dem Griffbrett laut vor. Das könnte z.B. für den Akkord „E-Dur“ folgendermaßen aussehen:

Akkordname „E-Dur“; Mittelfinger: zweiter Bund A-Saite; Ringfinger: zweiter Bund D-Saite; Zeigefinger: erster Bund G-Saite.

Das Wichtigste bei diesem Schritt ist, dir den Akkordnamen und die Position der Finger laut vorzusagen. Das kann zwar befremdlich wirken, hat aber einen ungleich höheren Lerneffekt als sich das Ganze nur im Stillen vorzusagen. Das liegt u.A. daran, dass du gezwungen bist das Griffbild in Worte zu fassen und du damit nicht so leicht der sogenannten „Kompetenzillusion“ zum Opfer fällst. Kompetenzillusion ist dabei der Glaube etwas schon zu beherrschen, obwohl es noch nicht nachhaltig im Gedächtnis verankert ist. Das kann in diesem Fall passieren, weil du die Finger auf dem Griffbrett noch sehen kannst und so dein Gehirn glaubt, dass es den Akkord schon kann.

1.3 Akkordnamen und Position der Finger abrufen


Nun musst du dir den zuvor eingeprägten Akkord wieder ins Gedächtnis rufen. Dabei entfernst du die Greifhand vollständig vom Griffbrett und sagst dir den Akkord aus deiner Vorstellung heraus laut vor. Widerstehe dabei dem Verlangen die Finger wieder hinlegen zu wollen. Das Ergebnis sollte wie das zuvor gelernte klingen:

Akkordname „E-Dur“; Mittelfinger: zweiter Bund A-Saite; Ringfinger: zweiter Bund D-Saite; Zeigefinger: erster Bund G-Saite.

Jetzt wird sich herausstellen, ob du den Akkord schon in deinem Gedächtnis verankert hast, oder ob noch weitere Übung nötig ist. Falls du dir den Akkord noch nicht vollständig gemerkt hast, wiederhole den Vorgang so oft, bis du ihn fehlerfrei hinbekommst. Auch wenn du den Akkord sofort richtig hinbekommen hast, empfehle ich dir die ganze Prozedur noch einmal zu wiederholen – Übung macht ja bekanntlich den Meister. Solltest du das laute Aufsagen und Einprägen vorher übersprungen haben, wirst du Kompetenzillusion jetzt wahrscheinlich zum ersten mal bewusst in Aktion erleben.

1.4 Wiederholen


Jetzt geht es darum das Erlernte zu verinnerlichen. Dazu nimmst du dir am besten eine Woche lang jeden Abend fünf bis zehn Minuten Zeit und wiederholst die gelernten Akkorde in oben genannter Manier. Bei dieser Art des Übens sind diese Wiederholung in Tagesabständen nötig, um das Gelernte auch effektiv im Gehirn zu verankern. Nach einer Woche erhörst du dann den Abstand der Wiederholungen auf mehrere Tage. Du wirst sehen, dass du die so gelernten Akkorde nach zwei bis drei Wochen schnell und sicher aus dem Gedächtnis abrufen kannst.

2 . Motorisches Üben von Akkorden


Das Ziel beim motorischen üben ist es, die Bewegung der Finger beim Greifen der Akkorde zu verfestigen und die Anfangs meist eingeschränkte Flexibilität zu verbessern. Diese Art des Übens kann man auch ganz gut mit Sport vergleichen, da hier genauso Kraft, Genauigkeit und schlussendlich Schnelligkeit aufgebaut werden müssen um zum Ziel zu kommen.

2.1 Das „Muskelgedächtnis“


Dabei arbeitet man mit dem sogenannten „Muskelgedächtnis“ (Muscle Memory), was aber meines Erachtens ein eher unpassender Ausdruck ist, da Muskeln ja an sich keine Merkfähigkeit haben. Bei diesem Prozess geht es eher um die Effizienzsteigerung der Nervenreize vom Gehirn an die Muskeln. Das kannst du dir Folgendermaßen vorstellen:

Wenn dein Gehirn z.B. deinem Zeigefinger sagt, dass er eine gewisse Saite greifen soll, dann sendet es entsprechende Nervenreize an die zugehörigen Muskeln im Unterarm und in den Fingern. Dein Gehirn weiß dabei eigentlich schon genau, dass der Zeigefinger die G-Saite am ersten Bund greifen soll – das hast du ja schließlich vorher gelernt. Nur die Nervenleitung zum Zeigefinger ist leider noch nicht für diese Information optimiert. Viel von der gesendeten Nervenenergie geht also auf dem Weg zu den Muskeln verloren. Wenn du den Zeigefinger aber nur ein einziges mal in diese Position bringst, hat dein Gehirn keinen Grund etwas zu ändern. Es kann ja sein, dass diese Situation nie wieder eintritt. Jetzt also etwas zu optimieren wäre verschwendete Energie. Du musst deinem Körper also mitteilen, dass diese Situation öfter eintreten wird. Das machst du am effektivsten mit der Wiederholung der Bewegung. Je öfter du die Bewegung wiederholst, desto mehr „isoliert“ dein Körper die Nervenleitung mit der Biomembran „Myelin„.

Aus Studien weiß man, dass die Anzahl der Wiederholungen ca. zwischen 1.000 und 30.000 mal pro Bewegung liegen muss. Danach ist die Nervenleitung gut für die jeweilige Bewegung optimiert. Das klingt jetzt zwar ernüchternd, ist aber wenn du täglich übst gar nicht so viel.

2.2 Greifen des Akkordes


Der erste Schritt auf dem Weg zu vielen Wiederholungen ist das saubere Greifen des gewünschten Akkordes. Dabei gilt es zu beachten, dass alle beteiligten Saiten so sauber wie möglich klingen (ohne Schnarren) und du dir nicht mit den greifenden Fingern andere Saiten abdämpfst.

Um Schnarren zu vermeiden, musst du so nahe wie möglich an den (dem Korpus zugewandten) Bundstäbchen greifen und die Saite so fest niederdrücken, dass der Ton sauber klingt. Versuche auch mit der Fingerkuppe so Spitz wie möglich aufzugreifen, um mit den greifenden Fingern nichts abzudämpfen. Dabei kann es helfen das Handgelenk etwas nach vorne zu schieben, sodass das letzte Fingerglied jedes Fingers schon schräg von oben auf die Saite steht. Das ist natürlich Anfangs noch von der Flexibilität der Hand und der Finger eingeschränkt, aber genau dazu übt man ja die Motorik.

2.3 Druck und Entspannung


Wenn der Akkord sauber auf den Saiten liegt, drückst du mit allen beteiligten Fingern überproportional fest auf die Saiten und hältst diesen Druck für ca. fünf Sekunden. Danach lässt du den Druck wieder vollkommen los, sodass deine Finger nur mehr auf den Saiten liegen und nicht mehr wirklich niederdrücken. Diesen Vorgang wiederholst du nun einige male.

Du wirst dabei feststellen, dass ein großer Teil der Muskeln in deinem Unterarm am greifen von Akkorden beteiligt sind. Das erklärt auch warum es Anfangs so schwierig ist einen Akkord zu greifen. Viel Nervenenergie geht am Weg ins eigentliche Ziel verloren oder landet in benachbarten Muskeln, die eigentlich gerade etwas anderes machen sollten und die Finger dazu nötigen quer in alle Richtungen zu stehen.

2.4 Finger abheben


Der letzte Schritt beim motorischen Üben von Akkorden ist die Finger ganz vom Griffbrett abzuheben. Du versuchst also in jeder Entspannungsphase die Finger von den Saiten zu lösen und immer weiter vom Griffbrett zu entfernen. Vor den Druckphasen versuchst du dann wieder alle beteiligten Finger gleichzeitig auf die zugeordneten Saiten zu legen. Das wird Anfangs sicher nicht auf Anhieb klappen. Gehe aber mit dem Vorsatz ran es trotzdem zu schaffen.

Wenn du mal etwas Sicherheit bei den Akkorden hast, kannst du ein Metronom in die Übung integrieren. Stelle ein langsames Tempo, z.B. 60 bpm ein und starte auf die Eins die Druckphase, auf die Zwei die Entspannung, auf der Drei hebst du die Finger ab und auf der Vier legst du sie wieder hin. Eine effiziente Übungsroutine wäre z.B. diesen Ablauf jeden Tag eine bis drei Minuten zu machen.

Fazit


Akkorde sind für den Anfänger zwar Fingerbrecher, aber trotzdem ein ungemein gutes Übungswerkzeug um deinen Fingern schnell Flexibilität anzutrainieren. Mit den beiden oben beschriebenen Übungen und etwas Disziplin wirst du auch rasch Fortschritte machen, die den Spaß am Gitarrenspielen immer wieder aufs neue befeuern. Bei generellen Fragen rund um die Gitarre, findest du in der Beitragskategorie „Gitarre“ vielleicht hilfreiche Antworten.

Beitragsbild: Pixabay
Quellen: Wikipedia, Learning how to learn (Coursera), (K)ein Gespür für Zahlen

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